GERHARD GUNDERMANN
DER MOND IST AUFGEGANGEN
Der Mond ist aufgegangen
Die goldnen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar
Der Wald steht schwarz und schweiget
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel wunderbar
Wie ist die Welt so stille
Und in der Dämmrung Hülle
So traulich und so hold
Gleich einer stillen Kammer
Wo ihr des Tages Jammer
Verschlafen und vergessen sollt
Seht ihr den Mond dort stehen
Er ist nur halb zu sehen
Und ist doch rund und schön
So sind wohl manche Sachen
Die wir getrost belachen
Weil unsre Augen sie nicht sehn
Wir stolzen Menschenkinder
Sind eitel arme Sünder
Und wissen gar nicht viel
Wir spinnen Luftgespinste
Und suchen viele Künste
Und kommen weiter von dem Ziel
Gott, laß dein Heil uns schauen
Auf nichts Vergänglichs trauen
Nicht Eitelkeit uns freun
Laß uns einfältig werden
Und vor dir hier auf Erden
Wie Kinder fromm und fröhlich sein
Wollst endlich sonder Grämen
Aus dieser Welt uns nehmen
Durch einen sanften Tod
Und wenn du uns genommen
Laß uns in'n Himmel kommen
Du unser Herr und unser Gott
So legt euch denn, ihr Brüder
In Gottes Namen nieder
Kalt ist der Abendhauch
Verschon uns Gott mit Strafen
Und laßt uns ruhig schlafen
Und unser'n kranken Nachbar auch
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